Das Baukonzept „TodayHaus“: Interview mit Fritz H. Wiebel und Wolfgang Schörnich

Mrz
02

Das Baukonzept „TodayHaus“: Interview mit Fritz H. Wiebel und Wolfgang Schörnich

Das Baukonzept von „TodayHaus“, dem ersten Projekt bei TodayCapital, sticht hervor durch seine Bauweise und den Baustoff, den die Entwickler einsetzen. Im Gespräch mit dem Projektleiter Fritz H. Wiebel und dem Architekt Wolfgang Schörnich erläutern sie den Hintergrund.

 

Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Vorteile des seriellen Bauens?

Wolfgang Schörnich: Serielles Bauen bietet sowohl eine deutliche Kosten- als auch Zeitersparnis. Durch die weitgehende Vorfertigung der Bauteile in Fabrikationsstätten erfolgt eine schnell durchführbare Vorfertigung, die nicht vom Wetter beeinflusst wird. Wenn die Elemente dann auf der Baustelle angeliefert werden, kommt die Montage ohne aufwändige Baustelleneinrichtungen aus.

Fritz H. Wiebel: Die Kostenreduktion ergibt sich auch durch eine sich nicht zu wiederholende Planungsarbeit. Einmal geplant, können Objekte vielfach gebaut werden.

 

Das Thema „serielles Bauen“ ist nicht neu. Doch findet der Bau nach Serie oder „Typenbau“ weniger Akzeptanz. Wichtiger erschien bislang die Entwicklung individueller Objekte.

Was muss passieren, damit serielles Bauen seine Akzeptanz bei der Bau- und Wohnungswirtschaft findet?

Wolfgang Schörnich: Um mehr Akzeptanz zu erzielen, ist es notwendig, die architektonische Ausprägung von Montagebauten zu entwickeln. Bei vielen Montage-Häusern ist erkennbar, dass hier ein formatiertes Denken im Vordergrund steht. Bislang werden bei der Planung individuelle, der verschiedenen Parameter entsprechende Punkte wie beispielsweise der Grundstücksschnitt oder die Bebauungsvorschriften nicht ausreichend berücksichtigt. Dies sollte aus meiner Sicht als Architekt verbessert werden, um den Serienbau vorantreiben zu können.

Fritz H. Wiebel: Ich denke, es ist schon einiges passiert, dass die Bau- und Wohnungswirtschaft die Notwendigkeit eines Umdenkens erkannt hat. Zeit und Kosten spielen heutzutage bei der Entwicklung von Immobilien eine immer wichtigere Rolle. Mit unserem „TodayHaus“-Baukonzept für Miet-Einfamilienhäuser bedienen wir zunächst eine Nische, die aber schon zeigt, wie schnelles und kostengünstiges Bauen im Fertighaus-Bereich geht. Die leicht einsehbaren, technischen Vorteile des Fabrik-Hauses, gepaart mit der konsequenten Hinwendung zu modernsten Baustoffen und, je nach Ausführung, um bis zu 30 % günstigere Entstehungskosten gegenüber konventionellem Hausbau, sind die schlagenden Argumente gegen das Traditionsdenken „Stein auf Stein“. Unsere europäischen Nachbarn in Belgien, den Niederlanden und Frankreich machen das seit Jahren vor.

 

Welche Voraussetzungen muss ein erfolgreiches Serienmodell erfüllen?

Wolfgang Schörnich: Erfolgreiche Serienmodelle sind kostengünstig und dabei ansprechend in ihrem Erscheinungsbild.

Fritz H. Wiebel: Zudem sollte ein Serienmodell in der Endausführung möglichst gering vom Serienplan abweichen. Des Weiteren müssen die Ansprüche in der Bauausführung so gestaltet sein, dass ausreichend Fachpersonal dafür vorhanden ist. Ein erfolgreiches Serienmodell muss auch die Ansprüche an Energieeffizienz und Schallschutz erfüllen und sollte vor allem beim Faktor Zeit punkten. Voraussetzung ist zudem eine schlüsselfertige Bauzeit von 3 bis 4 Monaten, die wir mit dem „TodayHaus“ erreichen.

 

Kommen wir zu dem Baustoff, den Sie beim „TodayHaus“ einsetzen.

Herr Wiebel, aus Ihrer Sicht als Ingenieur: Wieso ist Stahl der ideale Baustoff?

Fritz H. Wiebel: Stahl punktet in sehr vielen Bereichen. Der Baustoff eignet sich ganz besonders zur Vorfertigung. Denn Stahl hat ein geringes Gewicht, ein herausragendes Festigkeits-Eigengewichtsverhältnis, eine hochwertige Füge- und Verbindungstechnik und eine hohe Maßhaltigkeit. Stahlkonstruktionen ermöglichen dadurch eine schnelle Baustellenmontage. Ein fertiges Objekt punktet durch gute bauakustische Eigenschaften, hohe Erdbebenfestigkeit und in Abhängigkeit vom Plattenwerkstoff ist ein Stahl-Haus nicht brennbar. Auch bei Feuchtigkeit bleiben Stahlbauten formstabil. Und zuletzt möchte ich die Ökologie hervorheben.

 

Würden Sie sagen, das „TodayHaus“ ist ein sehr ökologisches Baukonzept?

Fritz H. Wiebel: Ja. Denn es werden nur Baustoffe verwendet, die dem Stoffkreislauf zu annähernd 100 % wieder zugeführt werden können. Stahl als tragendes Gerüst spielt hierbei eine herausragende Rolle. Auch die Verwendung des heute weit verbreiteten Dämmstoffs Polystyrol(Styropor) vermeiden wir weitestgehend.

 

Und wie steht es um die Energieeffizienz Ihres Haustyps?

Fritz H. Wiebel: Die Gebäudehülle und die Energieversorgung werden auf die Bedingungen für das KfW-Effizienzhaus-55 ausgelegt. Das bedeutet, ein TodayHaus benötigt jährlich 45 % weniger Primärenergie als ein vergleichbarer Neubau. Energieeffizienz-Häuser nach KfW 55 benötigen eine zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Heizung und Warmwasserbereitung werden mit regenerativer Energie eingeplant, die in niedrigen Temperatur-Bereichen effizient arbeitet.

 

Warum erkennt die deutsche Bau- und Wohnungswirtschaft nicht die Vorteile von Stahl an? Ihre Einschätzung bitte.

Wolfgang Schörnich: Das Problem scheint hier mehr in der Bebauungsmöglichkeit zu liegen, als im Baustoff selbst. Und so komme ich wieder zum Thema serielles Bauen zurück. Dies verlangt eine gewisse Menge an gleichartigen Gebäuden, um die Vorteile gegenüber konventionellen Bauweisen auszuspielen. Bestimmte Gegebenheiten wie beispielsweise die Grundstücksflächen, Bebauungspläne oder die Anpassung an vorhandene Strukturen erschweren es bisherigen Baukonzepten doch ungemein, die Vorteile der Serienfertigung zu erreichen.

Fritz H. Wiebel: Ich denke, dass die Vorteile des Baustoffs Stahl schon erkannt werden. Nur war jahrelang die Notwendigkeit eines Umdenkens nicht gegeben. Zweifelsfrei ist Bauen mit Stahl eine vergleichsweise junge Technik des Bauens. Sie erfordert gravierendes Umdenken bei Planern, dem ausführenden Handwerk und auch in der bauleitenden Überwachung. Erst moderne Plattenbaustoffe für Schallschutz und Energieeffizienz, die mit einer anderen Form von Sorgfalt geplant und verbaut werden müssen, führten zu vergleichbaren Gesamtergebnissen gegenüber konventionellen Techniken. Hinzu kommt die recht junge Digitalisierung der Stahl-Kaltformmaschinen, die es mit einem hohen Grad an Automatisierung und flexibler Bauteilekennzeichnung erst seit ein paar Jahren ermöglichen, die Endfertigung deutlich kostengünstiger zu gestalten.

 

Wie gut kann das „TodayHaus“ mit einem konventionell gebauten, massiv erscheinenden Haus mithalten?

Wolfgang Schörnich: Das „TodayHaus“ hat Vorteile, die das konventionell errichtete Haus nicht erreicht. Darunter fallen ein eindeutig kostenreduziertes Bauen, ein individuelles Erscheinungsbild des Haustyps sowie die hohe Energieeinsparung und die schnelle Errichtung auf der Baustelle. Dank seiner Konstruktion kann auch die Fassade in unterschiedlichsten Materialien gestaltet werden, wie beispielsweise Wärmedämmputz, Klinker oder Holzverblendungen. Es ist sogar so entwickelt worden, dass bei dem Baukonzept verschiedene Gegebenheiten berücksichtigt werden können, die ich in der Frage zuvor als „Problem“ der Serienfertigung angesprochen habe.

Fritz H. Wiebel: Ich erkenne bei unserem Haus nur Vorteile gegenüber konventionell gebauten Häusern. Weder in der Festigkeit der Gesamtstruktur noch bei der zu verbauenden Infrastruktur sind Unterschiede zu erkennen. Das ökonomische Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, erreichen wir optimal und es steht dabei in keinem Widerspruch zu den ökologischen Werten modernen Bauens. Auch Bedenken bezüglich drahtloser Telekommunikation in der Stahlskelettbauweise sind unbegründet. Die drahtlosen Kommunikationswege innerhalb des Hauses und aus dem Haus heraus sind trotz des vermeintlich abschirmenden Stahlskeletts kein Problem. Die Stahlgitterdichte ist bei einem Stahlbetonbau sogar deutlich höher als bei „TodayHaus“.

 

Welche Möglichkeiten bietet das Konzept von „TodayHaus“?

Fritz H. Wiebel: Das Gesamtkonzept besinnt sich auf das Wesentliche. Mit unserem Haustyp, Miet-Einfamilienhäuser, haben wir einen zielgruppengerechten Lösungsansatz entwickelt, der der vorherrschenden Wohnproblematik von Familien mit drei und mehr Kindern gerecht wird. Ein „TodayHaus“ ist extrem solide und beständig und bietet Familien dank einer sehr durchdachten Raumaufteilung ein großzügiges Zuhause. Gut und günstig bauen geht erst durch die industriell-serielle Fertigung. Die Vorab-Fertigung in trockenen Räumen sichert eine durchgängige, einwandfreie und maßgenaue Bauqualität.