Deutschland baut, aber nicht nach Bedarf – Neue Wohnmarktstudie des IW Köln

Mrz
13

Deutschland baut, aber nicht nach Bedarf – Neue Wohnmarktstudie des IW Köln

Deutschland hat ein Wohnraumproblem. Und das liegt nicht alleine an der erhöhten Flüchtlingsbewegung in den Jahren 2015 und 2016. Seit dem Jahr 2010 zieht es immer mehr Menschen aus dem In- und Ausland sowohl in deutsche Großstädte, als auch in mittelgroße und kleine Städte. Doch was ist mit der Bautätigkeit hierzulande? Es wird zwar gebaut, doch kommt man dem Baubedarf kaum hinterher. Teilweise wurde in den letzten Jahren nur 50 % des Baubedarfs auch tatsächlich gebaut. Das zeigt ein neu veröffentlichtes Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag von d.i.i. Deutsche Invest Immobilien. Interessant an der Studie ist, dass sie neben dem absoluten Baubedarf untersucht hat, welche Wohnungsgrößen benötigt werden.

Bis 2020 müssten nach jüngstem Stand deutschlandweit rund 358.000 Wohnungen pro Jahr entstehen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede darin, in welchen Städten, Gemeinden, Regionen welche Wohngrößen am dringendsten nachgefragt werden.

Im Ergebnis kommt die Studie zu dem Schluss, dass:

  • im Geschosswohnungsbau der Bedarf und das Angebot an Zwei- und Dreiraumwohnungen besonders weit auseinanderfallen, während der Bedarf bei Einraumwohnungen größtenteils gedeckt wird.
  • der Bedarf nach großen Wohnungen (insbesondere Ein- und Zweifamilienhäuser) in den Großstädten nicht gedeckt ist, das heißt hier müsste sich die Bautätigkeit in den A-Städten* knapp verdreifachen und in den B-Städten** fast verdoppeln.

Besonders bei Zwei- bis Dreiraumwohnungen existiert eine große Versorgungslücke. Doch gerade die werden erheblich nachgefragt. Sowohl von jüngeren Menschen, die in großen Städte ziehen, jüngere Paare ebenso wie ältere Paare, deren Kinder aus dem Haus sind. In den A-Städten (Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt, München) wird der Bedarf an Zwei- bis Dreiraumwohnungen derzeit nur zu 26 % bis 29 % gedeckt. Stattdessen gibt es laut Studie Trends zu kleinen Apartments (Einraumwohnungen) und Großraumwohnungen (ab 5 und mehr Räumen). Letztere entstehen vornehmlich auf dem Land in Form von Ein- oder Zweifamilienhäusern, fehlen allerdings in den Großstädten.

Was muss passieren, damit nach Bedarf gebaut werden kann?

  • Sowohl Städte als auch Investoren sollten gezielt auf Nachverdichtung im Bestand setzen
  • Für Neubauten sollte gerade in Großstädten schnell Bauland auf brachliegenden Flächen bereitgestellt werden
  • In stark wachsenden Räumen sollten neue Stadtviertel geschaffen werden

Welche Chancen bringt die Wohnungsmarktlage?

  • Gerade größere Städte im Umland der Metropolen und Ballungszentren können an Attraktivität gewinnen, indem sie ein passendes Wohnraumangebot mit einer entsprechend guten Infrastruktur bieten
  • Für Investoren und Projektentwickler liegen gerade hier Potenziale, die sie mit den richtigen Angeboten nutzen sollten
  • Auch neue Baukonzepte sollten in den Fokus rücken, die schnell und kostengünstig bei gleichwertiger Qualität wie konventionelles Bauen (Stein auf Stein) Lösungen bieten

 

* Die A-Städte sind: Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt, München
** Zu den B-Städten zählen: Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Essen, Karlsruhe, Leipzig, Mannheim, Münster, Nürnberg, Wiesbaden und die gesamte Region Hannover

 

Quelle: Dr. Philipp Deschermeier, Dr. Ralph Henger, Björn Seipelt, Prof. Dr. Michael Voigtländer: Zuwanderung in die Großstädte und resultierende Wohnungsnachfrage, Institut der deutschen Wirtschaft Köln für die d.i.i. Deutsche Invest Immobilien GmbH, Köln, 7.2.2017